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Kein Retter für Chemie Kelheim

25.01.2017
Mittelbayerischer Kurier

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Das Werk im Kelheimer Stadtteil Affecking wird geschlossen. Für die 32 Mitarbeiter ist eine Transfergesellschaft vorgesehen.

Von Elfi Bachmeier-Fausten

Kelheim: Hiobsbotschaft für die 32 Arbeitnehmer des Unternehmens Chemie Kelheim GmbH: Beim Schwefelsäure und Oleum produzierende Industriebetrieb im Stadtteil Affecking, der sich seit November in der vorläufigen Insolvenz befindet, wird die Produktion eingestellt. Für die 32 Mitarbeiter ist laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Joachim Exner ein Wechsel in eine Transfergesellschaft – Qualifizierungsgesellschaft – vorgesehen. Der Betriebsrat, die Gewerkschaft IG BCE und er hätten mit der ehemaligen Gesellschafterin die Finanzierung für eine Transfergesellschaft mit einer Laufzeit von zwölf Monaten verhandelt.

Produktionsanlagen „störanfällig“

Dem vorläufigen Insolvenzverwalter zufolge sei „keinerlei Ansatz gefunden worden, das Unternehmen ergebnisorientiert fortzuführen“. Wenn der Geschäftsbetrieb aufrechterhalten würde, entstünden Verluste, „die zu einer erheblichen Schmälerung der Insolvenzmasse führen würden“. Exner: „Wir haben bei mehreren potenziellen Interessenten angefragt, die sehr schnell bekundet haben, kein Interesse am Erwerb der Chemie Kelheim zu besitzen.“ Sehr schnell habe sich die Lage des Betriebs in Kelheim als äußerst prekär herausgestellt. Die Produktionsanlagen seien „alt und störanfällig“. Am Schwefelsäuremarkt „herrscht ein starker Verdrängungswettbewerb, so dass die Weltmarktpreise für diese Chemikalie „seit einiger Zeit am Boden liegen“.

Wie berichtet, hat die Chemie Kelheim GmbH im Internet die Jahreskapazität mit 120 000 Tonnen angegeben. Das Werk in unmittelbarer Hafennähe produziert seit 1938 Schwefelsäure. Von der einstigen Süd-Chemie, die vielen Kelheimern noch bekannt ist, hatte PVS 1998 die Industrieanlagen unweit der Donau in Kelheim übernommen. Das US-Unternehmen PVS trennte sich nach fast einem Jahrzehnt von ihrer „Tochter“ PVS Chemicals Germany in Affecking. Die Solvadis Holding S. à. r. l., Luxemburg und die TIB Chemicals AG, Mannheim, übernahmen zusammen PVS Chemicals Germany. Wie aus Insiderkreisen zu vernehmen ist: „Ist immer eine aufgehübschte Braut verkauft worden.“ Einen weiteren Eigner des Schwefelsäureproduzenten in Kelheim wird es nun nicht mehr geben. Der vorläufige Insolvenzverwalter: „Die Produktion läuft aus. Wir werden die Anlage wohl Anfang Januar stilllegen.“ Ihm zufolge sind die Mitarbeiter „aktuell noch ganz normal tätig. Er spricht auch deren Loyalität an. Die Situation der Beschäftigten „ist äußerst schwierig“.

Zu seiner Tätigkeit als vorläufiger Insolvenzverwalter sagt Joachim Exner angesichts der festgestellten Betriebssituation und dem Abwinken von möglichen Kaufinteressenten, dass es dann „eigentlich nur noch darum gegangen ist, eine bestmögliche Schadensminimierung für die Mitarbeiter zu betreiben“. Wie Rechtsanwalt Exner sagt, sei er sehr dankbar für die intensive Zusammenarbeit mit der Betriebsratsvorsitzenden, dem Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) des Bezirks Kelheim-Zwiesel. Denn auf diese Art und Weise habe „in einer höchst schwierigen Situation“ für die Mitarbeiter eine Transfergesellschaft verhandelt werden können. „Das ersetzt zwar nicht den Arbeitsplatz, gibt Mitarbeitern aber die Möglichkeit, sich zu qualifizieren und neu zu orientieren.“ Details der Transfergesellschaft „werden aktuell“ mit Betriebsrat, IG BCE und dem Anwalt des Betriebsrats abgestimmt. „Auch die Agentur für Arbeit ist involviert. Wir gehen davon aus, dass die Transfergesellschaft, sobald alle Voraussetzungen geschaffen sind, mit der Insolvenzeröffnung starten kann.“ So wäre ein nahtloser Übergang von der Beschäftigung in die Transfergesellschaft möglich. Zur Finanzierung trage die ehemalige Gesellschafterin bei. Exner: „Wir hoffen, mit viel Glück soziale Härten durch die Transfergesellschaft abmildern zu können.“

Am Montag Betriebsversammlung

IG BCE-Bezirksleiter Markus Hautmann sagt zur Transfergesellschaft: „In der Situation ist es das Beste, was für die Leute passieren kann“. Wenn sie in die Transfergesellschaft gingen, seien sie Beschäftigte dieser und bekämen „erst einmal kein Arbeitslosengeld, sondern Transferkurzarbeitergeld“. Die meisten der Mitarbeiter seien um die 50 Jahre und älter. Für Montag kündigt er eine Betriebsversammlung an.

Betriebsratsvorsitzende Vera Drazan: „Für mich stehen meine Kolleginnen und Kollegen an erster Stelle.“ Sie lege momentan ihr Augenmerk „nur darauf, dass eine gute, tragfähige und sozialverträgliche Lösung gefunden wird“. Zur anstehenden Werksschließung sagt sie: „Es ist brutal für die Menschen. Das ist nicht nur eine Arbeitsstelle, das ist eine Heimat, die wir verlassen müssen.“