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Anlagenbauer Moll meldet Insolvenz an

01.01.1970
Idowa Zeitung

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Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab:
Schon wieder größerer Betrieb mit Problemen

Geiselhöring / Leiblfing. Es ist gerade einmal eine Woche her, als das drohende Aus des Automobilzulieferwerkes von Faurecia in Geiselhöring mit 560 Mitarbeitern bekannt wurde. Nur wenige Tage später kommt die nächste schlechte Nachricht aus der Wirtschaft in der Region. Wieder geht es um einen Betrieb aus dem südlichen Landkreis Straubing-Bogen. Und wieder um eine Firma, die für Automobilhersteller arbeitet. Das Maschinenbauunternehmen Moll aus Obersunzing bei Leiblfing hat in dieser Woche Insolvenzantrag gestellt. Über 200 Mitarbeiter sind bei dem Unternehmen, das Förderanlagen für Autofabriken baut, beschäftigt.

Klare Informationen zur wirtschaftlichen Lage bei Moll gab es am Freitag nicht: Sowohl der vorläufige Insolvenzverwalter als auch die Moll-Geschäftsführung hielten sich bedeckt. Der Regensburger Insolvenzverwalter Dr. Hubert Ampferl sagte: Grund für die "missliche Lage" seien Schulden, die bei der Vorfinanzierung von großen Projekten angehäuft worden seien. "Kündigungen wurden bisher keine ausgesprochen und es sind auch keine geplant", so Ampferl. Durch den Insolvenzgeldschutz seien die Gehälter bis Ende Juni sicher. Auch die Lieferanten und die Mitarbeiter auf den Baustellen könnten weiter bezahlt werden. "Es geht jetzt hauptsächlich darum, einen Investor zu finden, der den Betrieb übernimmt." Mit Automobilherstellern werde gerade verhandelt, um Aufträge abschließen zu können.

Gegründet wurde die Firma 1918. Anfangs baute Moll vor allem landwirtschaftliche Geräte, ehe das Unternehmen in den 50er-Jahren mit der Entwicklung und dem Bau von Fördermaschinen für die Autofabriken begann. Im Mai 2007 verkauften die Eigentümer Josef Moll und Franz Bayer 80 Prozent des Unternehmens an den österreichischen Investor EK-Fin und schieden als Geschäftsführer aus.

Noch Ende 2009 sagte der damalige Moll-Geschäftsführer Wolfgang Haindl zum Thema Kreditklemme: "Wir haben hier keine Probleme." Dass es ausgerechnet bei dem lange Zeit solide wirtschaftenden Unternehmen, das in der Branche einen äußerst guten Ruf besaß und auch stabil durch die große Autokrise gekommen war, nun zum Schuldenberg und Vorfinanzierungsproblemen gekommen ist, wirft einige Fragen auf: Moll gehört nach dem Ausstieg der früheren Eigentümer Josef Moll und Franz Bayer noch immer knapp zur Hälfte dem österreichischen Private-Equity-Fonds EK-Fin, eine Tocher der Bank Austria. Wieso sind also derart finanziell potente Besitzer nicht bereit, Geld in die Hand zu nehmen?

Offenbar ist die Lage bei Moll kritischer, als es am Freitag dargestellt wurde. Denn der Maschinenbauer hat im Geschäftsjahr 2010 "gewaltige Verluste" eingefahren, wie es heißt. Die Rede ist zwar von genügend Aufträgen - aber auch von nicht kostendeckenden Preisen und Problemen bei der Umsetzung der Aufträge. Der enorme Expansionskurs - von 2007 bis einschließlich 2009 legte der Umsatz von 45 Millionen Euro auf rund 80 Millionen Euro zu - hat das Unternehmen etwa nach Amerika und Mexiko geführt. Zu große Baustellen, wie es weiter heißt.

"Wir sind stinksauer"

Gerade einmal zehn Kilometer Luftlinie sind es zwischen Leiblfing und Geiselhöring, wo ebenfalls die Angst um Arbeitsplätze umgeht. Nach dem Bekanntwerden der Schließung des Faurecia-Autositzwerkes in Geiselhöring ist von der Industriegewerkschaft (IG) Metall in Landshut heftige Kritik an den Firmenplänen laut geworden. "Die IG Metall hat kein Verständnis für die beabsichtigte Schließung der Autositze-Produktion von Faurecia in Geiselhöring. Wir sind stinksauer auf die verantwortlichen Manager in der Faurecia-Zentrale in Stadthagen und beim PSA-Konzern in Frankreich", empört sich Robert Grashei, erster Bevollmächtigter der IG Metall Landshut. Die Metallgewerkschaft betreut eigenen Angaben zufolge seit der Gründung des Werkes im Jahr 1988 den Standort. Nun ist man enttäuscht von der "eiskalten Strategieentscheidung". Grashei fordert von der Faurecia-Geschäftsführung die soziale Verantwortung ein: "Seit über 20 Jahren wird mit dem Automobilzulieferer Geld in Geiselhöring verdient. Da kann man nicht einfach die Lichter ausschalten und zusperren, sondern steht gegenüber den Menschen und der Region in der Verantwortung."

Streik-Drohung

Derzeit befindet sich die Automobilindustrie laut Grashei im Aufwind. Bei vielen Herstellern würden Überstunden und Sonderschichten gefahren, um die Nachfrage bedienen zu können. Dies gelte auch für die Produkte aus Geiselhöring. Insbesondere die Produktion bei BMW in Dingolfing hänge von den Komponenten aus Geiselhöring ab. "Trotzdem müssen sich die Interessenvertreter der Beschäftigten mit dem beabsichtigten Ende der Produktion von Autositzen beschäftigen." Die nächste Verhandlung über einen Interessenausgleich und Sozialplan für die Beschäftigten findet Grashei zufolge am 27. April statt. Die Gewerkschaft will am 7. Mai ihre Mitglieder über den Stand der Gespräche informieren. Im Rahmen dieser Versammlung soll auch eine betriebliche Tarifkommission gebildet werden. Grashei: "Wenn es zu keiner akzeptablen Lösung kommt, bleibt nur noch die letzte Konsequenz. Hierbei haben wir auch das Recht auf unserer Seite, denn das Bundesarbeitsgericht hat Streiks zur Erringung von Sozialtarifverträgen ausdrücklich erlaubt."

Prognose schwierig

Wie sich die Schließung des Geiselhöringer Faurecia-Werkes mit seinen 560 Mitarbeitern auf den Arbeitsmarkt in der Region auswirkt, sei schwer vorherzusagen, so Udo Karro, stellvertretender Leiter der zuständigen Arbeitsagentur in Deggendorf. "Da ist noch eine ganze Zeit hin", so der Arbeitsagentur-Vizechef zur geplanten Stilllegeung im Jahr 2014. Bereits jetzt eine Prognose abzugeben, sei gewagt.

Die aktuellen Zahlen jedenfalls sehen relativ gut aus: Derzeit sind im Landkreis Straubing-Bogen knapp 2000 Menschen arbeitslos - das entspricht einer Quote von 3,8 Prozent. Bei etwa 500 Arbeitslosen mehr, würde sich die Quote im Landkreis um rund einen Prozentpunkt erhöhen.

Dem Arbeitsamt kommt im Fall Faurecia der Faktor Zeit zu Gute. "Wenn wir von heute auf morgen reagieren müssten, wäre das deutlich schwieriger", sagt Karro. "Wichtig ist, so früh wie möglich zu helfen." In der Angelegenheit ist die Arbeitsagentur bereits tätig. Konkrete Informationen dazu gibt es von der Behörde aus Datenschutzgründen allerdings nicht.

Positiv dürfte sich Karro zufolge auch der "derzeit absolut günstige Trend" auf dem Arbeitsmarkt in der Region auswirken. So konnte in den vergangenen Monaten die Arbeitslosigkeit im Lankreis Straubing-Bogen gegenüber dem Vorjahr nochmals verringert werden. Und da sich in einigen Unternehmen in der Region bereits der Fachkräftemangel bemerkbar macht, dürften die Faurecia-Mitarbeiter aus den begehrten Berufsgruppen wieder relativ schnell eine Arbeit finden. Grundsätzlich gilt laut Karro derzeit: Wer mobil und flexibel ist, kann auf dem Arbeitsmarkt vermittelt werden. Sein Fazit: "Man sollte jetzt nicht schwarzmalen."

Dennoch: Keiner weiß, wie es auf dem regionalen Arbeitsmarkt in zwei Jahren aussieht. Kommt eine neue Autokrise? Oder macht sogar noch ein weiterer wichtiger Arbeitgeber in der Nähe sein Werk zu? Dass die Situation bei Faurecia schwierig wird, gibt auch der eher optimistisch eingestellte Karro zu.

Erfahrungen mit Stellenstreichungen in dieser Größenordnung hat das Deggendorfer Arbeitsamt bereits gesammelt. Erst in jüngster Vergangenheit war die Behörde mit der Insolvenz des Hengersberger Zulieferers Edscha beschäftigt. Dort waren deutlich mehr Menschen mit einem Arbeitsplatzverlust konfrontiert, als es nun in Geiselhöring bei Faurecia der Fall ist.

"Noch hoffnungsvoll"

Der Straubing-Bogener Landrat Alfred Reisinger indes hofft weiter auf Aufträge, die das Aus des für die Region wichtigen Arbeitgebers abwenden könnten. "Natürlich ist es eine schwierige Situation für die Beschäftigten in Geiselhöring", sagt der Landrat. Dennoch: "Ich bin noch hoffnungsvoll, dass man eine Lösung findet."

Reisinger zufolge findet in den kommenden Tagen eine weitere Besprechung zwischen Politikern aus dem Landkreis und der Firmenführung in der Deutschland-Zentrale von Faurecia statt. "Wir werden dabei nochmals betonen, wie wichtig uns der Standort ist", sagt Reisinger. Wie berichtet, bemühen sich neben dem Landrat auch der Geiselhöringer Bürgermeister Bernhard Krempl sowie Abgeordnete aus dem Landkreis um den Erhalt des Werkes. Auch in der Zentrale des Autobauers BMW klopften die Politiker bereits an. Zwischen Faurecia und dem Münchner Konzern, dessen ausbleibender Folgeauftrag für die Abbaupläne in Geiselhöring verantwortlich ist, bestehe weiter ein gutes Verhältnis, sagt Reisinger. Des Landrats Hoffnung auf eine Weiterführung der Geiselhöringer Fabrik könnte ihren Nährboden in der Oberpfalz haben: Denn im Regensburger Werk von BMW steht beim 3er ein Modellwechsel an. Das inzwischen geschlossene Faurecia-Werk in Bad Abbach im Landkreis Kelheim allerdings hat keine Aufträge aus diesem Werk mehr bekommen.

Fertigung im Ausland

Unbestätigten Angaben zufolge wäre auch im Fall eines Folgeauftrages für Faurecia die Sitz-Produktion in Geiselhöring wegen zu hoher Kosten auf der Kippe gestanden. Der Coburger Zulieferer Brose zumindest, der anstatt Faurecia zum Zug kam, soll die Sitze für den 5er-BMW, der in Dingolfing vom Band läuft, im Ausland fertigen.

Hannes Lehner und Stefanie Fischer